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Die Zeit, die mir für Digitalkultur zur Verfügung steht, ist leider viel zu rar. Umso mehr freue ich mich, dass ich in und nach meinen Studienjahren an der Merz Akademie in Stuttgart einige spannende Projekte durchführen konnte. Hier sind sie versammelt und ich hoffe, dass sie bald auch einmal wieder Zuwachs bekommen.



Projekte

Trail Blazers

event competition social hyperlinks web-surfing
Picture from Trail Blazers competition #1 at Merz Akademie Stuttgart: Surfers highly concentrated searching for the next link, Dragan Espenschied as Master of the Ceremony, spectators in the background

Erinnern Sie sich an die Zeit, bevor Suchmaschinen und Social Media Plattformen das Web übernommen haben? Menschen kreierten ihre eigenen bunten Websites, präsentierten ihre Hobbies, Familienfotos, Fan-Dinge. Der einzige Weg, über den man miteinander in Kontakt treten konnte, war Links zu anderen Websites zu setzen und so den Usern zu helfen von Hyperlink zu Hyperlink sprichwörtlich durch die unendliche Weite der digitalen Welt zu surfen.

2009 waren diese Zeiten lange vergangen: Man musste nur seine Suchbegriffe in Google werfen und bekam eine kuratierte Liste von Suchergebnissen, man musste sich nur in Facebook einloggen und war automatisch mit seinen Freunden verbunden. Das war natürlich bequem, doch dadurch wurden die User auch in geschlossenen Systemen eingesperrt – nichts mehr mit Visionen einer freien digitalen Welt, nur noch ein Suchergebnis nach dem anderen ausprobieren und die Freunde noch einmal poken.

Mit der Trail Blazers Web Surfing Competition wollten wir den Blick wieder ein bisschen auf Hyperlink-Strukturen lenken und gleichzeitig den Usern Zeit verschaffen, um einmal wieder wirklich zu surfen, zu den verstecktesten Ecken im World Wide Web. Die Teilnehmenden der Competition wurden aufgefordert, entlang einer frei wählbaren Route zwischen zwei Websites tatsächlich zu surfen, und zwar basierend auf drei grundlegenden Prinzipien: Kein Keyboard, Kein Google, nur echte Hyperlinks!

Die erste Trail Blazers Web Surfing Competition wurde 2010 an der Merz Akademie Stuttgart ausgetragen, veranstaltet von „The Beautiful Zeros and Ugly Ones“, einer Studierendengruppe von Professorin Olia Lialina. Bis zum Verfassen dieses Texts im Jahr 2019 wurden acht weitere Competitions verteilt über den ganzen Globus durchgeführt, inklusive Linz, Rotterdam, Barcelona und New York. Wenn Sie ein Trail Blazers Event in Ihrer Stadt veranstalten möchten, zögern Sie nicht uns zu kontaktieren – es ist simpel und macht riesig Spaß!

»There is a new profession of trail blazers, those who find delight in the task of establishing useful trails through the enormous mass of the common record.«
Vannevar Bush, „As We May Think“, 1945









Wiimote Masters

event competition social wii-console tennis

Als Nintendo zu Weihnachten 2006 seine revolutionäre Gesten-gesteuerte neue Wii-Konsole vorstellte, war die Welt begeistert. Endlich musste man nicht mehr auf klobigen Controllern herumdrücken, stattdessen konnte man sich im ganzen Raum frei bewegen, um ein Videospiel zu kontrollieren. Alle Werbeclips für das Produkt handelten von glücklichen Familien, die in ihren hell erleuchteten Wohnzimmern gemeinsam spielten. Überall großer Spaß. Aber die Realität in den folgenden Monaten zeigte sich leicht abweichend: Die Fenster in den Nachbarschaften zeigten am ehesten noch Menschen, die alleine zuhause vor ihren Fernsehgeräten standen und wieder und wieder ihre WiiMotes immer gleich schwangen. Was für ein langweiliges Resultat nach den leuchtenden Visionen.

Die WiiMote Masters Tennis Championships wollten mit dieser Langeweile aufbrechen, sie wollten Menschen wieder zusammenbringen und gemeinsam ein paar schöne Tennis Matches zu spielen – während man sich auf einem echten Spielfeld gegenüber ins Gesicht blicken konnte.

Das Set-Up: Die Spielfelder waren mit weißem Klebeband auf dem Boden markiert und in der Mitte standen zweiseitige Screens aus Holzplatten, die ein gesplittetes Video-Signal auf beiden Seiten zeigten. Es gab Musik, Drinks, Dragan Espenschied als Host des Abends und einen fantastischen goldenen WiiMote-Pokal für das Sieger-Team – also alle Dinge, die es braucht, um ein lustiges Event zusammen zu feiern.










Ghosttown

3d social privacy google-universe

Als 2010 Google Street View Deutschland erreichte, wurde es in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Es war das Sommerloch, es gab also kaum Politik und die Medien brauchten wenigstens ein Thema, um darüber zu berichten – also haben sie Street View im Kontext von Datenschutz und Privatsphäre infrage gestellt.

Sicherlich haben wir vor allem in Deutschland eine hohe Sensibilität für Datenschutz – und wenn man auf unsere Geschichte der letztten 100 Jahre blickt, dann hat das auch gute Gründe. Tatsächlich war aber die Diskussion um Street View eine Farce: Als wären Bilder unserer Haus-Vorderseiten problematisch, während Satellitenbilder aus dem All schon jahrelang von oben auf unsere Häuser blickten und tatsächlich auch unsere Gärten öffentlich zeigten, während ddie Menschen außerdem mit ihren Smartphones und RFID-Chips in der Hosentasche durch die Welt wandelten, oder digitale Kundenkarten nutzten, um „Punkte zu verdienen“ und in Wirklichkeit rund um die Uhr digital durchleuchtet wurden.

Am Ende gab es eine schnelle politische Entscheidung: Google wurde aufgefordert die Eigentümer von Gebäuden selbst entscheiden zu lassen, ob ihre Anwesen in dem Kartenservice verschwommen gezeigt werden sollen – wohlgemerkt, während Satellitenbilder die Dächer und Gärten weiterhin öffentlich von oben abbildeten.

Das Resultat all dessen war wenigstens unter ästhetischen Gesichtspunkten wirklich interessant: Die Ansichten dieser verschwommenen Häuser wirkten wie eine gänzlich neue Form von Architektur, die mit den originalen Gebäuden nichts mehr zu tun hatten und nur aus frei angeordneten übereinander liegenden Polygonen bestanden. Und auch unter sozialen Aspekten zeigte sich eine Häufung von derart unkenntlich gemachten Gebäude vor allem in Gegenden, wo die Reichen und Schönen leben – was die Street View Verordnung als keine besonders sozial ausgewogene Regelung erscheinen ließ.

Um all das einmal hervorzuheben wählten wir einen streng konzeptionellen Ansatz: Indem wir nichts anderes, als frei verfügbare Tools von Google nutzten, wurde eine urbane Landschaft wiedererrichtet, in der ausschließlich die verschwommenen Häuser aus Street View zu sehen waren: Sozusagen eine Stuttgarter Ghosttown. Diese Häuser wurden als 3D-Modelle neu errichtet und an ihrer oriiginalen Stelle zurück in eine Google Maps KMZ Landschaft platziert, wobei ihre Form streng ihre Form verschwommener Polygone wiederspiegelte.

Entstanden 2010 an der Merz Akademie im Rahmen eines Workshops mit Manuel Bürger.










Web Skits

experimental web-1.0 social collage series

Central Border Time

Eine Digital-Uhr, vollständig erstellt mit Tabellen-Rändern.

Technologie: HTML <table>-Elemente, CSS, JavaScript, PTB-Server



Bricks

Muster einer Ziegelsteinwand, gebaut aus Rohr-„Steinen“. Sozusagen „a series of tubes“.

Technologie: HTML, CSS, Unicode-Symbole



GIF Disko

Eine Bildschirm-Projektion für Events, vollständig erstellt mit überlappenden GIF-Animationen. Ursprünglich ein Teil meines Diplom-Projekts an der Merz Akademie Stuttgart „Happy Graphics Interchange“, in dem ich untersuchte, wie die Nutzung des GIF-Formats bei der Förderung von Medienkompetenz behilflich sein kann.

Technologie: Animierte transparente GIF-Dateien, HTML <marquee>-Elemente



Winter

Eine weihnachtliche Schneefall-Simulation in zweidimensional alternierenden Marquees.

Technologie: HTML <marquee>-Elemente, CSS



Weather

Eine Anzeige der aktuellen Wetter-Situation, geschrieben in simplen Unicode-Zeichen.

Technologie: Unicode-Symbole, CSS-Animation, JavaScript, Wetter-API



Please wait

Eine nicht besonders runde Lade-Animation aus Tabellen-Rändern.

Technologie: HTML <table>, CSS-Animation



There we go

Persistenz des Sehens: Ein 3D-Pfeil. Können Sie ihn erkennen?

Technologie: Unicode-Symbole, CSS-Animation



Surfer is surfing

Ein scheinbar surfender Surfer. Atemberaubende optische Illusion. Ursprünglich erstellt für die Trail Blazers Web Surfing Competition.

Technologie: ASCII-Zeichen, HTML <marquee>










Interface Night

video endless-space interface-design

Was bedeutet es, wenn im Interface-Design die Metapher von endlosen Weiten des Weltalls um jede Ecke kommt? Egal welches Computer System man nutzt – überall Sternen-Hintergründe, Aurora-Bildschirmschonerr, fliegende Astronauten. Sollen diese Bildwelten den Usern mitteilen, dass es in ihrem Computer keine Grenzen gibt, dass im Digitalen Raum endlose Möglichkeiten auf sie warten?

Man könnte durchaus sagen: Ja, die Möglichkeiten mit Computern sind durchaus enorm. Aber der lustige Teil an der Sache ist: Primär ist das Interface etwas, das die User direkt im Gesicht haben – eine visuelle und funktionelle Barriere zwischen ihnen und dem Computer. Etwas, das die Dinge einfacher machen soll, stellt sich dadurch eigentlich eher in den Weg. Und der Rand des Universums kommt plötzlich näher und näher.

Seit Mitte der 1990er gab es im Bayerischen Fernsehen eine nächtliche TV-Show, die genau das zeigte, was sie versprach: Niemals endende kosmische Bildwelten, begleitet von Mood-Soundtracks – also etwas, um in einer schlaflosen Nacht zur Ruhe zu finden. Um also die endlose Masse von Bildwelten endloser Weiten in nicht so endlosen Computer-Systemen einmal hervorzuheben, haben wir sie alle aus unseren unterschiedlichsten Computersystemen einmal zusammengesammelt und dann in das Video-Frameset der BR Space Night verfrachtet: „Interface Night“. Sagen Sie Hallo zu Starfield Simulation, Aurora, Helix Nebula und versuchen Sie Ihre Augen offen zu halten!

Entstanden an der Merz Akademie im Jahr 2008 während eines Workshops mit Johannes P. Osterhoff.



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